Informationsschaum

München goes on and on and on and noch mal on

15. Januar 2009 · BrutusD

img_0335Die letzte Station meines Münchenaufenthalts sollte nun die Otto Falkenberg Schule sein. Ich war am Morgen irgendwie verunsichert. Ich hatte immer noch keine Kritik für mein Spiel am Donnerstag bekommen und war mir nicht mehr sicher, ob ich mich auf das verlassen konnte, was ich nach meinen Vorträgen gefühlt hatte. Ich war mir einfach nicht mehr sicher ob ich in der ersten Runde an der Everding wirklich so gerockt hatte. Denn das selbe Gefühl hatte mich am Tag danach ja nun nicht mehr weiter getragen. Oder lag es doch an etwas anderem? Wie gesagt verunsichert.

Nach einem längeren Gespräch mit meiner Schauspielmama meinem Mental-Coach besann ich mich. “Das alles ist ja eh eher eine Typ- und Geschmacksfrage, auf die ich wahrscheinlich wenig Einfluss habe.” Das einzige was ich in der Hand habe, ist mein Spiel für mich interessant und unterhaltsam zu gestallten – So wie ich es auch schon an der Everding getan habe.

Was ich beim Warten auf meinen “Auftritt” merkte, war dass das auch bedeutete, dass ich mein Repertoire ändern muss. Eine Besonderheit der Otto Falkenberg Schule ist es, dass man eine selbst erfundene Szene vorspielen muss. “Vorbereitet” hatte ich eine Szene in einem Arzt-Wartezimmer. Ein Mann isst beim Warten einen Apfel, fühlt sich dabei von den anderen Wartenden beobachtet und wird nervös. Er möchte den Apfel nun schnell hinter sich bringen und dabei kommt es zum Höhepunkt: er findet keinen Mülleimer oder andern Ort, an dem er den Griepsch loswerden kann. Er entschließt er sich den Griepsch mit Stiel und Kernen aufzuessen… Ja, genauso trocken, wie sich das hier liest kam es mir seit Wochen auch vor. Aber aus Angst nichts besseres als meinen Wartezimmer-Monolog zu finden, der so ganz ohne irgendein Wort gespielt auch mal wirklich gut und lustig war, hatte ich mich an keine neue Szene getraut.

Jetzt entschloss ich mich kurzerhand für eine neue Szene, die ich kurzerhand “Wie ich versuche meine Liebe mit einem Gedicht zu überzeugen” nannte. Im Grunde ist es einfach nur ein Liebesgedicht. Ich hatte es vor einiger Zeit geschrieben und schon längst mal bei einem Vorsprechen zum Besten geben wollen. Ich nahm mir vor es spontan einfach ein wenig Szenisch zu interpretiert. Jetzt fühlte ich mich wirklich bereit. Fast alle Unsicherheit war einem Gefühl gewichen ziemlich bewusst zu sein, das “Richtige” zu tun und in der richtigen Stimmung für den kommenden Test zu sein.

Mein Vorsprechen lief dann so: Ich kam in den Prüfungsraum, man begrüßte sich wie üblich freundlich, ich stellte mich vor. Ich fing mit Trepljow an. Ich spielte den Anfang so, wie es die Profs von der Everding von mir wollten. Weil mir diese echte Selbstsicherheit Trepljows gefiel, weil sie die Fallhöhe, die Tragikkomik der Figur erhöhte. Was ich da von mir gab fühlte sich ganz gut an – ach nein was sag ich – es fühlte sich überhaupt an.

Ich weis nicht ob es schon nach der ersten Rolle war oder nach der zweiten. Einer der Profs wollte mich schon verabschieden ich weis nicht ob im positiven oder negativen Sinn, er hatte jedenfalls genug gesehn, aber ein anderer wollte noch etwas sehn. Ich spielte meinen Mathieu. Danach schienen wieder alles bis auf dieser eine genug gehabt zu haben. Alles was ich daraus schließen kann, war dass er wohl irgendein Interesse an mir gehabt hat. Er wollte irgendeine meiner Facetten sehen, dich ich noch nicht gezeigt hatte. Ich wurde langsam ein wenig unruhig, was er denn wohl gern sehen könnte und wie ich ihn von mir überzeugen könnte.

Dann improvisierte ich also mein Gedicht. “Nun spielen sie noch den Mortimer, bitte!”, sagte er. Okay… vielliecht kann Schillers “Maria Stuart” mich raus reißen. Letzter Versuch. Ich beginne, spreche kaum drei Zeilen und denke “scheiße”. Und kurz darauf sag ich “scheiße” und “das war irgendwie nichts. Ich fang noch mal an.” Ich beginne nochmal, komme ein wenig weiter und dann hat wohl jener Lehrer gedacht “Scheiße, das wird nichts mehr”. Er sagte dann “Danke, sie können jetzt gehn” oder etwas ähnliches.

Zu dem nächsten wartenden Prüfling sagte er dann noch, dass sie jetzt erst mal fünf Minuten Pause machten. Toll. Ich hatte es jetzt wirklich verkackt. Ich wusste dass ich nicht das zeigen konnte was verlangt war. Natürlich ein wenig Hoffnung vielleicht doch interessant genug gewesen zu sein war noch in mir. Jedoch nicht genug um mich auf meiner Zugfahrt zu erinnern, bei der Schule anzurufen und mein Ergebnis zu erfragen. Das viel mir erst am Sonntag wieder an. Als ich dann Montags anrief war die Überraschung groß, dass meine Leistung tatsächlich für ein Weiterkommen gereicht hat.

All die Frustration ist nun weg. Und da ich im Februar (btw mit nun 4 Vorsprechen mein Super-Vorsprech-Monat) also wieder nach München fahre, musste ich diesen Post nicht mit “München goes on and on and on but then suddenly stops” überschreiben. Dafür können wir uns alle schon auf den Artikel “München goes on and on and on and nochmal on and dann sogar nochmal on” freuen, was nun wirklich ein besserer Titel ist.

Kategorie: Vorsprechen

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 the_peppermint // Jan 15, 2009 at 21:14

    GO Brutus! Go Brutus!

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