Drei Wochen ist es nun schon her. Am Montag dem 21.09.09 lief es endlich. Mein erstes kommplett eigenes StĂŒck.
Nicht nur dass ich allein ungefĂ€hr eine Stunde “BĂŒhnen-Zeit” fĂŒllte, es war komplett mein eigenes Baby. Der Inhalt ist schnell ErklĂ€rt: Mein Leben.
Vor Beginn der Semesterferien bekamnen wir 26 Studenten im 1. Semester des Fachbereichs III (Darstellende Kunst) der Folkwang-Hochschule die Aufgabe vor Beginn des 2. Semesters unsere LebenslĂ€ufe zu spielen. Krass. Ăberlege Dir kurz vielleicht 20-30 sek was du spielen zeigen wĂŒrdest, wie?, warum? und du wirst dich vor einer groĂen aber mit genĂŒgend Zeit schönen Aufgabe finden.
Da mich die Aufgabe sowieso interessierte fing ich schnell an mich mit ihr zu beschĂ€ftigen. Nicht intensiv am Schreibtisch sitzend, sondern immer mal wieder drĂŒber nachdenkend. Viele Freunde erlebten mich schlieĂlich auch immer mal wieder abwesend oder scheinbar melancholisch in irgendwelchen Gedanken versunken oder unerwartet mein Notizbuch zĂŒckend um mir “Dinge” zu notieren.
Irgendwann Mitte August, als mir klar wurde wie ich meine Gedanken und PlĂ€ne strukturieren könnte, fing die Konkretere Arbeit an. WĂ€hrenddessen nahm ich mir immer wieder Zeit ĂŒber mein Leben nachzudenken und erfĂŒllte dabei bestimmt das ein oder andere Klischee, wenn ich mich spĂ€t nachts um 22 Uhr los machte, um wegen Bier von Kiosk zu Kiosk zu spazieren, dabei meinen Gedanken nachging und letztlich betrunken und versunken auf irgendeinem Treppenabsatz landete.
Mit der Zeit wurde meine Vorstellung, wie ich mein Leben auf die BĂŒhne bringen kann immer klarer bis irgendwann ein genauer Ablauf heraus kam. Zum Schluss musste dann ja “nur noch” alles ausgearbeitet werden. Hier ein paar KeynoteprĂ€sentationen, hier ein paar Audioaufnahmen, da noch etwas die Technik organisieren, hier noch ein wenig das BĂŒhnenbild und die Beleuchtung und tada fertig. Und das hatte ich noch nie. Vor der Zeit.
Beginnt mein Lebenslauf selbst doch damit, dass ich so wie vorher in meinem Leben auch immer noch nicht fertig bin, war ich diesmal gut 2 Tage vorher komplett fertig und musste keinen Gedanken an irgendetwas verschwenden. Komplett relativ Stressfrei konnte ich mich eine Woche vorher sogar um die technische Assistenz und Beratung von knapp 10 anderen LebenslĂ€ufen kĂŒmmern.
Dass meine AuffĂŒhrung fĂŒr mich ein voller Erfolg und fĂŒr die Zuschauer sehr unterhaltsam war macht mich stolz. Meine erste eigene, kĂŒnstlerische Arbeit hat alle befriedigt. Was fĂŒr ein GefĂŒhl.
Doch das wirklich anstrengende kam dann erst beim aufmerksamen Zusehn bei fremden LebenslÀufen. Eine Woche lang standen tÀglich 3-5 auf dem Programm. Es war die intensivste Zeit, die wir in unserem Studium hatten, in dem wir wirklich schon einige Gefilde befahren hatten.
Diese GroĂzĂŒgigkeit entgegen gebracht zu bekommen, jemandem wirklich zuhören und zuschauen zu dĂŒrfen, der von seinem Leben erzĂ€hlt, und nicht daran denken zu mĂŒssen, was man kluges oder witziges als nĂ€chstes sagen, fragen und antworten will, ist wirklich ein Geschenk. Es gibt einem die Gelegenheit sich wirklich auf das gezeigte und durch aufblitzende Erinnerungen auch das eigene Leben einzulassen. Miteinander ein wenig in Erinnerungen zu wandern und diese sogar wieder zu entdecken.
Besonders beim Zuschaun fallen einem dann stĂ€ndig Dinge ein, die man “noch hĂ€tte erzĂ€hlen sollen. Denn natĂŒrlich hat man mit einer Stunde nicht sein Leben erzĂ€hlt.  Es ist mehr ein Teil des Abbilds dessen, was man in dieser Lebensperiode als eigenes Leben wahr nimmt. Die richtige Schlussfolgerung ist also wiederholt das eigene Leben als Material fĂŒr eine Stunde “BĂŒhnen-Zeit” zu betrachten.
4 Antworten bis jetzt ↓
1 Mo // Okt 8, 2009 at 14:14
Super! Freut mich fĂŒr dich! Gibt es zufĂ€llig auch mitschnitte davon?
Lg !
Mo
2 BrutusD // Okt 9, 2009 at 08:22
ich hab da noch was in der Röhre. Ich sag Dir (euch) auf jedenfall bescheid, wenn’s fertig ist.
3 Mo // Okt 9, 2009 at 12:50
Was du bist schwanger???!!!!! LOOOL
4 Everything Is Terrible!: SNOGGING 101 // Dez 28, 2009 at 19:50
[...] ← Sowas hatte ich noch nie Word! [...]
Hinterlasse ein Kommentar