Informationsschaum

Prosa Ode an Berlin

24. Juli 2010 · BrutusD

Kurz entschlossen machte ich mich Freitag Abend um zehn Uhr nach einer Currywurst doch noch auf etwas zu erleben. Mal ein neuen Club vielleicht. Also ab in die U-Bahn für eine kleine unvorbereitete Expedition – zum Halleschen Tor. Es ist zwölf Uhr der Club macht grade auf. Also noch ein bisschen Zeit rum kriegen. Ab in die U1 und ein bisschen durch Berlin gurken.

Nach einer kleinen, uninteressanten, zweistündigen Rundreise befinde ich mich auf dem Rückweg zum Club. Hip wie ich bin lese ich meinen Twitterfeed auf meinem iPad und kaum versehe ich mich, spricht mich Jemand darauf an. Neben mir sitzt einer dieser Berliner U-Bahn Gestalten. Haager, halb nackt mit Hotpants, vollbärtig, grauhaarig, braungebrannt, einer goldgerahmten Lesebrille, die er wie Dumbledore auf seiner Nasenspitze trägt, mit viel Klimbim aus Plastik und “Abfällen” behängt.
Er trägt z.B. so einen Verschluss eines Pfanner Saft-Kartongs. Man muss nach dem Aufschrauben immer eine kleine Plastiklasche an einem Ring aus dem Ausgießer herausreißen um sie das erste mal zu öffnen. Es sieht an seinem Finger aus, wie ein zierlicher Ring mit riesigem Diamanten… nur eben in weißem Plastik.
Und wie er da so sitzt, fängt er natürlich an zu reden. Erzählt vom iPad, von Kant, Hebel, Dingen die er gemacht hat, von Schopenhauer, von der Bibel, von Obama, vom Glück, vom Leben. Ich habe kein Wort verstanden. Er redet schnell. Aus Angst ich könnte gleich weg sein? Er scheint oft die Gedanken und Themen zu wechseln. Mit fistelnder Stimme. Seine Augen sind sehnsüchtig. Er hat viel zu sagen. Ununterbrochen. Ich sage gar nichts. Nicke und staune. ich bin perplex. Ich hätte ein Foto machen sollen

Kategorie: nur so am Rande

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