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Sowas hatte ich noch nie

6. Oktober 2009 · BrutusD

Drei Wochen ist es nun schon her. Am Montag dem 21.09.09 lief es endlich. Mein erstes kommplett eigenes Stück.

Nicht nur dass ich allein ungefähr eine Stunde “Bühnen-Zeit” füllte, es war komplett mein eigenes Baby. Der Inhalt ist schnell Erklärt: Mein Leben.

Vor Beginn der Semesterferien bekamnen wir 26 Studenten im 1. Semester des Fachbereichs III (Darstellende Kunst) der Folkwang-Hochschule die Aufgabe vor Beginn des 2. Semesters unsere Lebensläufe zu spielen. Krass. Überlege Dir kurz vielleicht 20-30 sek was du spielen zeigen würdest, wie?, warum? und du wirst dich vor einer großen aber mit genügend Zeit schönen Aufgabe finden.

Da mich die Aufgabe sowieso interessierte fing ich schnell an mich mit ihr zu beschäftigen. Nicht intensiv am Schreibtisch sitzend, sondern immer mal wieder drüber nachdenkend. Viele Freunde erlebten mich schließlich auch immer mal wieder abwesend oder scheinbar melancholisch in irgendwelchen Gedanken versunken oder unerwartet mein Notizbuch zückend um mir “Dinge” zu notieren.

Irgendwann Mitte August, als mir klar wurde wie ich meine Gedanken und Pläne strukturieren könnte, fing die Konkretere Arbeit an. Währenddessen nahm ich mir immer wieder Zeit über mein Leben nachzudenken und erfüllte dabei bestimmt das ein oder andere Klischee, wenn ich mich spät nachts um 22 Uhr los machte, um wegen Bier von Kiosk zu Kiosk zu spazieren, dabei meinen Gedanken nachging und letztlich betrunken und versunken auf irgendeinem Treppenabsatz landete.

Mit der Zeit wurde meine Vorstellung, wie ich mein Leben auf die Bühne bringen kann immer klarer bis irgendwann ein genauer Ablauf heraus kam. Zum Schluss musste dann ja “nur noch” alles ausgearbeitet werden. Hier ein paar Keynotepräsentationen, hier ein paar Audioaufnahmen, da noch etwas die Technik organisieren, hier noch ein wenig das Bühnenbild und die Beleuchtung und tada fertig. Und das hatte ich noch nie. Vor der Zeit.

Beginnt mein Lebenslauf selbst doch damit, dass ich so wie vorher in meinem Leben auch immer noch nicht fertig bin, war ich diesmal gut 2 Tage vorher komplett fertig und musste keinen Gedanken an irgendetwas verschwenden. Komplett relativ Stressfrei konnte ich mich eine Woche vorher sogar um die technische Assistenz und Beratung von knapp 10 anderen Lebensläufen kümmern.

Dass meine Aufführung für mich ein voller Erfolg und für die Zuschauer sehr unterhaltsam war macht mich stolz. Meine erste eigene, künstlerische Arbeit hat alle befriedigt. Was für ein Gefühl.

Doch das wirklich anstrengende kam dann erst beim aufmerksamen Zusehn bei fremden Lebensläufen. Eine Woche lang standen täglich 3-5 auf dem Programm. Es war die intensivste Zeit, die wir in unserem Studium hatten, in dem wir wirklich schon einige Gefilde befahren hatten.

Diese Großzügigkeit entgegen gebracht zu bekommen, jemandem wirklich zuhören und zuschauen zu dürfen, der von seinem Leben erzählt, und nicht daran denken zu müssen, was man kluges oder witziges als nächstes sagen, fragen und antworten will, ist wirklich ein Geschenk. Es gibt einem die Gelegenheit sich wirklich auf das gezeigte und durch aufblitzende Erinnerungen auch das eigene Leben einzulassen. Miteinander ein wenig in Erinnerungen zu wandern und diese sogar wieder zu entdecken.

Besonders beim Zuschaun fallen einem dann ständig Dinge ein, die man “noch hätte erzählen sollen. Denn natürlich hat man mit einer Stunde nicht sein Leben erzählt.  Es ist mehr ein Teil des Abbilds dessen, was man in dieser Lebensperiode als eigenes Leben wahr nimmt. Die richtige Schlussfolgerung ist also wiederholt das eigene Leben als Material für eine Stunde “Bühnen-Zeit” zu betrachten.

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Warum erzählen sie das bitte?

21. Juni 2009 · BrutusD

Eigentlich sollte ich ja “sinnvolle Hausaufgaben” für meinen Sprechunterricht machen. Ein Spielangebot aus “Der Kontrabass” von Süßkind erarbeiten. Die Worte mit meinem Körperverbinden.. Atmen…

naja da hab ich mich dieses Wochenende gut herum prokrastiniert.

Eigentlich hab ich am Wochenende wieder nichts sinnvolles gemacht (abgesehn vielleicht vom Kochen). Mein Leben sieht im Moment so aus, dass ich mich unter der Woche von Unterricht zu Unterricht hangle,gut organisiert kurz mal 15-30 min für Mensa einschiebe, alle zwei Tage Einkaufen geh, weil ich täglich 8 Tonnen Brote und Schokolade esse. Dann Abends um 21 Uhr zuhause mit dem Gedanken ankomme, sofort ins Bett gehen zu. Sobald ich dann aber meinen Laptop aufklappe ist schon absehbar, dass ich, so wie ich gerade auf dem Bett in Klamotten und mit Kontaktlinsen bin, einschlafen werde und erst um 4:30 Uhr wieder aufwachen werde um wirklich ins Bett zu gehn.

Freitags dann meistens im Grünen direkt nach der Uni gemeinsames Biertrinken. Nach hause und viele Vorhaben fürs Wochenende haben.

Am Wochenende davon aber kaum welche umgesetzt bekommen. Stattdessen den ganzen Tag nicht aus dem Bett kommen, dabei zu viel Süßigkeiten essen und Rückenschmerzen mit meinem Laptop erzeugen (der ist natürlich auch im Bett mit dabei). Dann kurz vor Toresschluss noch gehetzt irgendwas machen, um danach doch wieder kein Ende zu finden und beim surfen einzuschlafen – Am Wochenende ist das wenigstens nicht so schlimm, da ich eh den ganzen Tag mein Schlaf-Outfit anhab. Toll

Aber es gibt auch erfreuliches: In einer Woche hab ich mein erstes kleines “Angagement”. Meine Uni die Folkwang-Hochschule nimmt wie jedes Jahr an der Extraschicht (Eine NAcht voll Künsterischer Ereignisse verteilt über das ganze Ruhrgebiet) teil. Ich bekomme Geld fürs “spielen”. Hier eine kleine Arbeitsprobe:

(auf die theatralisch-künstlerisch anmutende Belichtung musste ich zurückgreifen, weil sich das Licht nicht so einrichten ließ, dass man meine Augen erkennen konnte.)

Warum erzähle ich das? Ich weis nicht. Mir war grade danach. Ich geh jetzt ins Bett. Gute Nacht.

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und jetzt seid ihr Grießbrei

19. April 2009 · BrutusD

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich meinen Studienplatz in Essen bekommen habe? Und dass es im April losging? Das ich umgezogen bin? Und all das? Nein? Ich hab noch nichtmal geschrieben, wie die letze Runde in Essen war? Hmmm..
Naja hier ist jedenfalls ein Artikel über mein neues Studium:

Anfang in Essen

Anfang in Essen

Nach 20 Tagen bin ich nun wirklich in Essen angekommen. Gestern kam nämlich endlich mein Bett und ich habe alle Bilder und Spiegel aufgehängt, Kabel für Licht und Technik verlegt und die letzten Kisten ausgeräumt.

Inzwischen habe ich auch ein guten Eindruck bekommen von meinem Studium. Ich würde sagen, es ist das Beste was ich bisher gemacht habe. Es gibt zwei Möglichkeiten es zu erklären:

Das geilste Studium wo gibt:

also am ersten Tag haben wir Fangen gespielt. Am nächsten dann Mord im Dunkeln. Meistens gehen wir durch den Raum oder liegen auf dem Boden. Wir Besuchen die Wände, wir schließen unsere Augen und versuchen uns Schokolade die uns im Mund schmilzt vorzustellen. Und ganz wichtig: wir atmen und seufzen. Ich würde sagen das Studium besteht zu 80-90 % aus Atmen und Seufzen.

Und dann gibt es immer wieder kleine Improvisationen: Wir sollen Tiere, oder Penner vom Bahnhof interessante Menschen spielen. Gern auch mal einen Wecker oder ein Klappmesse oder Grießbrei. Und nebenher bekommen wir Unterricht im Fechten, Tanz und Akrobatik und lernen auch wie man gerade steht.

Ja das Studium ist tatsächlich so quatschig und esotherisch, wie es sich anhört. Aber das ist natürlich nur die Oberfläche. Also

Das geilste Studium wo gibt:

Der Sinn des Studiums ist es uns Studenten zu befähigen auf der Bühne neue Realitäten zu erschaffen. Nicht nur einfach etwas darzustellen, sonder mehr etwas zu sein. Wie kann man erreichen, dass ein Satz den man zum hundertstenmal sagt, sich so anhört als wäre er einem gerade eingefallen. Man brauch nicht zu spielen. Alles was wir erlebt haben, Vogelgezitscher, das Gefühl von auf der Zunge schmelzender Schokolade, das Geräusch einer zufallenden Tür, das Gefühl verliebt zu sein, oder Kummer zu haben, all diese Erlebnisse haben wir gespeichert. Alle können wir abrufen. Zum Beispiel Meeresrauschen. Und zu dem was Du Dir vorstellst hast du Assoziationen die aufblitzen. Zum Meeresrauschen kommt vielleicht das Bild von blauem Himmel, das Gefühl von Sand unter den Füßen, der Geruch von Salz oder die Erinnerung an die letzte Liebe. Wenn man diese Erfahrungen abrufen kann, dann kann man das auch auf der Bühne.

Natürlich nicht auf anhieb. Man muss sein Handwerkszeug lernen. Man seine Wahrnehmung und Vorstellungskraft trainieren. Man muss ein Bewusstsein für den eigenen und fremde Körper entwickeln. Man muss Körper und Stimme tunen um Zugriff auf all ihre Facetten zu bekommen. Und um all das geht es in meinem Studium. Und all das ist so spannend, dass ich gerne von morgens bis abends beschäftigt bin.

endlich angekommen

endlich angekommen

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